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Dreharbeiten, filmen in Ghana

Last updated on 27. August 2021

Montag Morgen, an einem kalten Tag im Januar, die Botschaft Ghanas, am Ende der Schönhauser Allee in Berlin, ist zum Bersten voll. Ghana scheint ein beliebtes Land zu sein. Allerdings warten die meisten Anwesenden am Schlater für Passangelegenheiten und nur wenige am Visaschalter. Nach Angaben der englischsprachigen Dame brauchen wir für die Dreharbeiten in Ghana lediglich eine Presseakkreditierung und die normalen Online-Visa. Ich bekomme nach einiger Wartezeit ein kopiertes Formular für die Presseakkreditierung.

Die Presseakkreditierung über die Botschaft einzuleiten dauert, so wie es aussieht, allerdings eher Wochen als Tage. Alle Visa für das Drehteam können aber nur mit der Vorlage der Presseakkreditierung beantragt werden.

Im Internet finde ich einen sogenannten „Fixer“ in Accra:

Sulley Lansah
+233 545067569
+233 302767198
sule223@gmail.com

Er reagiert auf meine Mail innerhalb von einer Stunde und versichert mir, dass bei Vorlage aller Unterlagen, er eine Akkredietierung beim Ministerium für Information innerhalb eines Arbeitstages beantragen kann. Ich bekomme von ihm eine pdf-Vorlage zur Presseakkreditierung zugeschickt, die sich geringfürgig von der unterscheidet, die mir die Botschaft mitgegeben hat. Da ich schon mit der Vorlage der Botschaft begonnen habe benutze ich diese. Für jedes Mitglied des Filmteams muss ein Formular ausgefüllt und unterzeichnet werden. Zudem will er gescannte Passbilder und auf einem offiziellen Briefpapier der Filmproduktion eine genaue Angabe über die geplanten Dreharbeiten plus eine Equipmentliste mit den Seriennummern aller Geräte. Angeblich sind die Seriennummern wichtig, um bei Diebstahl oder Verlust nachweisen zu können welches Gerät gestohlen wurde.

Da ich schon die Einladung unseres Drehortes in Ghana (Universität von Ghana) habe, lege ich auch diese bei.

Die Formulare für die Akkreditierung habe ich als PDF in Indesign hinterlegt und dann ausgefüllt und die Unterschriften gescannt darunter gepackt.

PRESSEAKKREDITIERUNG

  • Passbilder gescannt
  • Brief auf offiziellem Papier der Filmproduktion mit genauen Angaben über die geplanten Dreharbeiten
  • ausgefülltes und von jedem Mitglied des Drehteams ausgefülltes Formular (bei der Botschaft erhältlich)
  • Equipmentliste mit Seriennummern und genauer Gerätebezeichung plus Wert der Geräte
  • (Einladungsschreiben des Drehortes in Ghana)
  • Kosten 90 USD pro Person (Januar 2016)

Auf der Seite der deutschen Botschaft in Accra findet man ebenfalls Angaben zur Presseakkreditierung und zu Dreharbeiten in Ghana:

http://www.accra.diplo.de/Vertretung/accra/de/07_20Kultur/Hinweise_20f_C3_BCr_20Journalisten/seite__journalisteninfo.html

Hier wird noch darauf hingewiesen, dass es trotz erfolgreicher schriftlicher Akkreditierung erforderlich ist, nach Ankuft in Accra, direkt beim Informationsminister persönlich vorzusprechen, um so die Akkreditierung abzuschließen. Dafür sollte man vorab einen Termin beim Ministerium buchen.
Diesen Schritt erledigt für uns Suley, da er dort wohl bekannt ist und seine Kunden das persönliche Vorsprechen erspart.

Für die Drehgenehmigungen vor Ort, schreibt mir Suley, dass er auch diesbezüglich behilflich sein kann. Falls Drehorte noch gesucht werden, könne er auch welche vorschlagen. Da wir lediglich an der Universität drehen, regelt dies jedoch die Fakultät für uns. Aber auch dies funktioniert „afrikanisch“, also mit sehr viel Respekt vor der Universitätsobrigkeit und klappt erst in letzter Minute.

Visum für Ghana, besser vor Ort bezahlen!

2-SCHRITTE-VISA:
ON-LINE-BEANTRAGUNG UND OFF-LINE-VERVOLLSTÄNDIGUNG

ONLINE

Jeder Visumantrag für Ghana beginnt auf der Online-Plattform der Botschaft. Man kann den Antrag auch beginnen und sich dann mit der Antragsnummer später wieder einloggen und weitermachen.

Es empfiehlt sich die Anweisungen sehr genau durchzulesen und zu beachten. Besonders amüsant sind die Angaben für die hochzuladenden quadratischen Fotos (Achtung kein biometrisches Passbild). Die Botschaft möchte einen neutralen Hintergrund und gibt dann das Speicherformt vor, die Pixelgröße, den Farbraum, die Kompressionsstärke etc. Wer sich mit Photoshop gut auskennt, für den ist dies sicher kein Problem (jpg mit weniger als 20:1 Kompression, sRGB, Pixelgröße etc.), für alle Anderen empfiehlt die Botschaft sich doch lieber gleich an einen professionellen Fotografen zu wenden und warnt, dass bei Fotos mit falschen technischen Spezifikationen der Antrag abgelehnt wird.

Zu beachten ist auch, dass nach zwei Einladungs-/Ansprechpartnern in Ghana gefragt wird, die jeweils mit einer Ausweiskopie ihre Identität bestätigen müssen. Ich habe zwei Universtitätsprofessoren angegeben, jedoch ohne Ausweiskopie. Dieses Vorgehen hat funktioniert, da es sich um Personen einer Institution und nicht um Privatpersonen handelte.

Scannen und hochladen muss man Folgendes:

  • Foto
  • Einladungsschreiben aus Ghana
  • Bestätigung/Beschreibung ausgestellt von der Filmproduktion auf offiziellem Papier (hier immer reinschreiben, dass die Firma alle Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Transport übernimmt)
  • Flugplan/Tickets
  • Kopie Pass
  • (Bei mir noch Bescheinigung des deutschen Auftraggebers.)

OFF-LINE

Nach erfolgreichem Abschluß des Online-Antrages druckt man diesen aus und geht mit den ganzen Unterlagen (die zuvor schon hochgeladen wurden, plus dem Pass) zur Botschaft.

Nun gibt man den Antrag ab und kann, je nachdem was man beantragt hat, beim Schnell-Visum angeblich nach 3 Tagen und beim Normal-Visum in 1-2 Wochen mit einer abschließenden Bearbeitung rechnen. Man bekommt – manchmal aber nicht immer – eine Email oder eine SMS, die einem zur Abholung des Passes auffordert. Ansonsten kann man den Bearbeitungsstand auch online einsehen.

ACHTUNG

Auf der Online-Plattform steht, dass die Bezahlung für die Visumgebühr nur auf das Konto der Botschaft Ghanas bei der Deutschen Bank erfolgen kann. DIES IST FALSCH! Alle professionellen Visaagenten bezahlen bar am Schalter bei der Botschaft in Berlin. Bis meine Banküberweisung im Visasystem sichtbar war, dauerte es eine Woche, obwohl das Geld laut Aussage der Deutschen Bank schon am selben Tag auf dem Konto der Botschaft eingetroffen war.

Mein Schnellvisa für 100 Euro, das eigentlich innerhalb von 3 Tagen hätte ausgestellt werden sollen, wurde so erst nach einer Woche bearbeitet. Bei meiner persönlichen Nachfrage bei der Botschaft sagte die Bearbeiterin, dass sie das Geld noch nicht im System sehen würde und mein Antrag deshalb auch nicht bearbeitet würde. Ich war schon kurz davor doppelt zu bezahlen, als es dann, einen Tag vor Abreise, doch noch klappte.

ZOLL

Ghana gehört NICHT zur ATA-Carnet-Gruppe und erfordert deshalb besondere Zollformularitäten bei der Einreise mit einer professionellen Filmausrüstung.

Im Grunde funktioiert dies in Afrika eigentlich immer gleich:
Entweder man hinterlegt eine Sicherheit (in der Regel 20% des geschätzten/wahren Equipmentwertes), die man zwar zurückfordern kann, aber in der Regel nie wieder sieht oder man findet jemandem, der für die vollständige Wiederausfuhr des Equipments bürgt. Ein sogenannter „Custom Bond“ wird meist von Speditionen gegen eine Gebühr ausgestellt.
Die Alternative ist stundenlanges Verhandeln bei der Einreise mit einem Zöllner (bei mir waren es meist resolute Damen, unterstützt von mehreren Gehilfen),  um den Preis für die sogenannte „Hinterlegung“, die man jedoch nie wieder sieht, auszuhandeln. Das begann dann z.B. in Tanzania bei 20.000 bis 30.000 USD und endete nach 3 Stunden bei 2.000 USD, die ein schnell herbeigerufener Jugendfreund der Zöllnerin, der zufüllig eine Spedition betreibt, als „Bond-Gebühr“ ohne Quittung in seine Tasche steckte.

In Ghana erledigte die „Bond-Formalitäten“ Suley gegen eine Gebühr von 200 USD für zwei Filmausrüstungen, die an zwei verschieden Tagen ins Land kamen und mit einem Wert von 6.000 USD und 9.000 USD als Gebrauchtgeräte angegeben waren (ungefähr 15% des tatsächlichen Wertes).

Bei der Einreise am Flughafen in Accra geht man nach dem Gepäckband durch zwei Reihen von Zolltischen, an denen die Koffer kontrolliert werden. Ich war schon an allen Tischen vorbei, als am Ende die „übliche“ resolute Dame meinen Alukoffer entdeckte und mich zu sich an den Aufsehertisch beorderte. Sie legte zusammen mit ihren Gehilfen dann auch sofort los und als sie das Wort „Filmausrüstung“ hörte ,verlangte sie nach der Kaution oder einem „Custom-Bond“. Suley wollte mich zwar abholen, wartete aber draußen. Ich gab einem der Zöllner die Telefonnummer, worauf er Suley anrief und ihm durch die Eingangskontrolle half. Suley hatte die entsprechenden Papiere, die er schon beim Zoll am Nachmittag abgestempelt hatte. Es musste noch ein Formular ausgefüllt werden, dann war ich durch und erfolgreich in Ghana eingereist.

Als der Kameramann zusammen mit dem Tonmeister mit der zweiten Ausrüstung einreisten, waren alle Zolltische leer und weit und breit keine Zöllner zu sehen. Allerdings war es Sonntagnachmittag.

KOSTEN

  • Presseakkreditierung (über den Fixer) pro Person 90 USD
  • Schnell-Visa pro Person 100 €
  • Zoll („Custom Bond“) 200 USD
  • Gage Fixer 400 USD
  • Minibus mit Fahrer über den Fixer pro Tag 120 USD

Ich habe dem Fixer Sulley Lansah gleich bei meiner Ankuft die komplette Summe, auch für das Team und den Minius vorab ausbezahlt. Das war ein kleines Waagnis, aber es hat mit gutem Vertrauen funktioniert.

Auch die schönste Reise beginnt mit den Formalien auf der Botschaft. Afrikanische Botschaften lieben Papier – viel Papier – und am besten mit schönen buten Stempeln.




Accra hat auch schöne Seiten, nur ging es hier um Entwicklungsprojekte, die natürlich genau dort ansetzen, wo es eben nicht ganz so schön ist. (Björn Geldermann – Ton, Peter Armin Petrides – Kamera, Ghana 2016 – für zazudesign – die Schwarzwald Werbeagentur in Berlin)

Update Ghana 2021 in Zeiten von CORONA

Das Ziel der Reise war diesmal Ghana-Nord und zwar die Städte Tamale und Wa. An der Universität fand eine Summer-School statt und wir sollten filmisch daran teilnehmen, waren Teil des Organisationsteams und nicht als Filmteam oder Pressevertreter unterwegs.

Da das Ganze erst in letzter Sekunde entschieden wurde haben wir auf ein komplettes Team und eine große Ausrüstung verzichtet und sind nur mit einer „nackten“ FS7 und einem Fotoapparat Canon EOS5 Mark IV gereist. Beim Licht gab es nur einen Rundreflektor, beim Ton eine Angel mit Korb und ein Ansteckmikro mit Funkstrecke, aber keinen Mischer. Alles ging direkt in die Kamera.

Da wir mit KLM flogen und zu zweit waren, hatten wir vier große Koffer frei, dazu zwei Trolleys und zwei kleine Rucksäcke, auf die wir die Ausrüstung verteilen konnten. Wir haben auf Alukisten verzichtet und versucht möglichst alte Koffer mitzunehmen, so dass der Zoll nicht von vorneherein sich auf unsere Ausrüstung stürzt.

Ein Neubau beherbert die konsularische Antragstelle der Botschaft

Visa bei der Botschaft in Berlin

Es gibt nach wir vor die Online-Registrierung, die man akribisch ausfüllen sollte. Bei den Fotos gibt es keine Vorgaben, sie sind aber weiterhin entweder quadratisch oder verden verzerrt ausgedruckt, also lieber gleich ein quadratisches JPG hochladen.

Das Entscheidende ist die Einladung von der zu besuchenden Stelle, Reisepassnummer und Namen sollten genau übereinstimmen und auch in der Einladung genannt werden. Bei uns wurde zusätzlich eine Kopie des Personalausweises oder des Reisepasses der Person gewünscht, die die Einladung ausgestellt hat. Da es der Rektor der Uni war und dieser sehr beschäftigt, kamen wir damit aber zu spät, sind jedoch mit einer Rüge nochmals davongekommen.

Wir haben ein Business-Visum beantragt, da wir zu einer Konferenz (Summer-School) als Organisationshelfer gereist sind. Das Business-Visum kostet 110 Euro, die am besten bar bei der Botschaft gezahlt werden. Die Überweisung braucht in der Regel ein paar Tage bis sie auf dem Konto der Botschaft sichtbar ist. Hier also Zeit einplanen, denn ohne Geld keine Bearbeitung. Wer nicht in Berlin ist und alles per Post erledigt, muss unbedingt einen frankierten Rückumschlag für eine Einschreibenrücksendung beilegen. Dies wird nicht explizit erwähnt, aber ohne Rückumschlag bleibt das Visum einfach mit dem Pass bei der Botschaft liegen, bis man sich meldet. Vor der Botschaft habe ich einen Menschen getroffen, der extra aus Nürnberg angereist war, nur um seinen Pass abzuholen, da er den Rückumschlag vergessen hatte und unter Zeitdruck war. Ist das Visum „approved“ bekommt man eine Mail mit einem Abholungstermin und einem Abholungs-PDF, das man zur Abolung ausgedruckt mitbringen muss. Achtung: Ohne dieses Papier bekommt man seinen Pass nicht!

Mit dem Business-Visum kann man dann zur Konferenz reisen, aber nur mit einer privaten Fotoausrüstung!

Der wichtigste Schalter in der Botschaft, die Kasse. Ein in Deutschland lebender Ghanae zahlt für einen neuen ghanaischen Reisepass 360 Euro, falls er den alten verloren hat. Nachdem ich mir dazu einen Kommentar nicht verkneifen konnte, meinte der Botschaftsmitarbeiter, nur so könne man seine Landsleute dazu bringen auf ihre Papiere aufzupassen.

CORONA und Reisen nach Ghana

Da Ghana von Ebola betroffen war, ist es ein Land, das CORONA sofort ernst genommen hat. Die Zahlen sind (Stand August 2021) extrem niedrig, dennoch werden in allen wichtigen Bereichen Masken getragen.

Wichtige Hinweise zu den CORONA-Vorkehrungen findet man auf der Seite des Auswärtigen Amtes:

https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/ghana-node/ghanasicherheit/203372

Im Grunde sind es folgende Abläufe:

  • Anmelden und Erstellung eines Accounts auf der Plattform panabisos https://login.panabios.org
  • Überweisung von 150 USD an die Flughafengesellschaft für den notwendigen Test bei der Ankunft https://myfrontierhealthcare.com/Home/Ghana. Also man reist mit einem negativen PCR-Test (von einem deutschen „trusted lab“) und wird dann bei der Ankunft nochmals getestet, wofür man von Deutschland aus im voraus bezahlt
  • Anmeldung bei der ghanaischen Gesundheitsbehörde https://www.ghs-hdf.org/hdf/
  • maximal 72 Stunden vor Abreise Testung in einem deutschen „trusted Lab“ mit einem PCR-Test. Welches deutsche Lab „trusted“ ist kann man auf panabios herausfinden.
  • Eintragung des PCR-Tests auf seinem panabios-Account (Achtung hier muss man bei der Angabe des deutschen Labs nicht unter „trusted“ sondern unter „sonstige“ das deutsche „trusted Lab“ auswählen.
  • Ausdruck des „Travel Pass“ auf panabios, nachdem man bezahlt hat und sein PCR-Test angegeben hat
  • Ausdruck des „official receipt“ der Bezahlung der 150 USD
  • Ausdruck des negativen PCR-Testergebnisses, das bei Ankunft nicht älter als 72 Stunden sein darf (von der Probenentnahme aus gerechnet)

Ankunft in Ghana am Flughafen

All die schönen ausgedruckten Bescheinigungen haben Strichcodes oder QR-Codes, doch leider werden sie nicht gescannt.

  • Vom Flugzeug kommt man in eine lange Schlange in der Mitarbeiter des Flughafens mit Tablets schauen, ob man bei der Gesundheitsbehörde angemeldet ist. Falls nicht, kann man das am Tablet nachholen.
  • In der Schlange stehen Menschen, die schon im voraus bezahlt haben und andere, die noch nicht bezahlt haben. Dennoch müssen alle warten. Am ersten Schalter wird die Ausweisnummer eingegeben und geprüft ob man bezahlt hat.
  • Am nächsten Schalter wird die Ausweisnummer wieder eingebeben und man bekommt ein Testpapier.
  • Am nächten Schlater bekommt man, nachdem wieder die Ausweisnummer in einen Computer eingegeben wurde, mit dem Testpapier die Strichcode-Aufkleber für den Test.
  • Dann erfolgt der Abstrich.
  • Mit der Nummer des Testpapieres kann man auf einer Internetseite seinen Test verfolgen (WLAN ist frei), das funktioniert aber nicht.
  • Man geht durch die Passkontrolle.
  • Man holt seine Koffer.
  • Vor dem Ausgang ist ein weiterer Stand an dem man, wenn das Ergebnis vorliegt, ein Papier mit seinem negativen Test bekommt. (hier ist großes Gedränge)
  • Nachdem man sein negatives Testpapier hat, kann man durch die Gesundheitskontrolle.
  • Danach lauert der Zoll an drei Stationen mit sechs Mitarbeitern, aber ohne Druchleuchtung. Man wird gefragt ob man etwas zu verzollen hat. Gegebennfalls werden Koffer geöffnet oder abgetastet. Hier also Nerven behalten, die Kamerausrüstung ist schließlich eine private Fotoausrüstung. Ich habe sehr viel erzählt von der Kooperation der Uni in Deutschland mit der Uni in Ghana und wie toll es ist, dass man in Wa studieren kann etc., bis die Dame mir einen schönen Aufenthalt wünschte und sich nicht weiter um meine Koffer kümmerte.
klein verpackt im Koffer, kleines Sachtler und die FS7 ohne alles, hier vor dem Delagio Hotel in Wa

Ghana der Norden

In den Norden gelangt man nach Tamale am besten mit dem Flugzeug. Africa World Airlines ist günstig und fliegt mehrmals am Tag. Übergepäck ist ebenfalls sehr günstig (alles über 48 kg pro Person) und kostet nur ein paar Euro. Wir wollten ein Auto mieten in Tamale um damit selbstständig nach Wa zu fahren, mussten dann aber ein Auto (über den Fixer Sulley, s.o.) mit Fahrer nehmen. Das kostet stolze 130 USD pro Tag, dazu kommt noch ein Zimmer für den Fahrer und Diesel. Mietautos ohne Fahrer gibt es nicht. Wir haben den Fahrer, wenn wir alleine mit ihm waren und nicht in Begleitung von Ghanaen, immer zum Essen eingeladen, da er bei langen Strecken oder langen Arbeitstagen ja auch etwas essen musste. Er fühlte sich dabei ziemlich unwohl und ist nach dem letzten Bissen immer sofort kommentarlos aufgesprungen und zum Auto gegangen. In Ghana ist es wohl üblich, dass der Fahrer der Fahrer ist und nicht mit den Herrschaften speist. Es existiert auch (wie im Kongo) eine neue sehr reiche Oberklasse, die „as neureich as possible“ ihr Geld und ihre Macht über die Mitmenschen gerne zur Schau stellt.

Niemand behandelt Schwarze so schlecht wie die eigenen Brüder und Schwestern, die aus irgendwelchen Gründen in den letzten Jahren zu Geld gekommen sind. Die Welt in Ghana ist sehr geteilt, eine Weberin am Straßenrand ist außer sich vor Glück wenn man ihr 5 Cedi (80 Eurocent) Trinkgeld gibt, der Porter im Hotel schaut einem bei 5 Cedi an als hätte man ihn zutiefst beleidigt.

Die Ghanaen sind die Berliner Afrikas, sie sind aufgeweckt, dirket und im Umgang sehr ruppig. Nur weil man in einem teuren Hotel für 250 USD die Nacht abgestiegen ist, heißt das noch lange nicht dass man nicht ständig vom Personal angeblafft wird. Wenn man am Flughafen in der Schlange kurz stehen bleibt und eine Lücke entsteht, wird von hinten sofort gemeckert und geschoben, der Ghanae hat es eilig. Man ist laut und direkt und sorgt dafür, dass die vorgesehenen Abläufe eingehalten werden.

Wem das zuviel ist, dem empfehle ich den Norden Namibias, dort spricht man mit gesenktem Kopf, ohne dass man den Anderen ansieht, sehr leise und langsam und erst nachdem man etliche Höflichkeitspausen eingelegt hat.

Ghana ist quasi das Gegenteil.

Die Engländer haben ihre Spuren hinterlassen. Als gebildet gilt derjenige, der die Abläufe und die Formulare kennt und da diese sehr umfangreich und kompliziert sind, sind die Formulare auch die Grundlage für die Korruption, denn wer etwas dringend braucht oder nicht das Wissen oder die Zeit hat sich durch die komplexen Abläufe zu kämpfen, der bezahlt auch gerne etwas für eine einfachere und schnellere Erledigung. Und es kann immer behauptet werden man hätte irgendetwas vergessen und müsste jetzt eine Strafe zahlen, wenn man nicht freundlicherweise demjenigen der bereit ist einem zu helfen …

Autor: Thomas Hezel

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